Piraten erklären: EU-Saatgutverordnung stärkt einseitig Großkonzerne

Im Gegensatz zum Entwurf des EU-Kommissars Tonio Borg zur EU-Saatgutverordnung setzen sich die bayerischen PIRATEN für eine Stärkung kleinbäuerlicher Strukturen und Erhalt der Artenvielfalt ein. Dabei richten sie sich nach dem Leitsatz „Qualität statt Quantität“. Doch gerade Kleinbetriebe stellt die neue Verordnung vor große Probleme.

Am Montag, 6. Mai, legte der EU-Kommisar für Gesundheit und Verbraucherschutz, Tonio Borg, den ersten Entwurf der EU-Saatgutverordnung vor. Dass dabei die weltweit agierenden Saatguthersteller wie Monsanto und Syngenta stark von der neuen Verordnung profitieren sollen, stellte keine große Überraschung dar. Schon heute schrumpft der Marktanteil kleinerer Hersteller beständig, während die sechs größten Hersteller von Saatgut ihren Marktanteil innerhalb von 17 Jahren verdoppeln konnten. Diese Konzerne und Interessenverbände haben bereits im Vorfeld ihre Vertreter strategisch klug platziert. So wirkte bei der Erstellung der Verordnung die Französin Isabelle Clément-Nissou mit. Sie war vor ihrem Wechsel nach Brüssel für die Interessenvereinigung der französischen Saatgut- und Agrarindustrie tätig und hat jetzt an der Erstellung der EU-Saatgutverordnung mitgewirkt[1]. „Dabei geht es nicht allein um das Saatgut. Konzerne wie Bayer bieten speziell auf die Pflanzen abgestimmte Dünger und Pestizide an“, so Frank Zimmermann, Bundestagskandidat der Piratenpartei für den Wahlkreis Altötting. Zudem handelt es sich bei vielen Sorten um sogenannte Hybride. Das sind Pflanzen, die nur im ersten Jahr ertragreich sind. Das treibt Landwirte in eine Abhängigkeitsfalle gegenüber den Saatgut- und Pflanzenschutzmittelkonzernen.

Dabei sind jedoch gerade alte oder lokale Sorten wichtig für die Vielfalt auf unseren Tellern und den Erhalt der bäuerlichen Kultur. Jede einzelne dieser Sorten enthält gewisse Genbestandteile, die für spätere Züchtungen von Bedeutung sein können. So sind zur Zeit in Deutschland etwa 2000 verschiedene Apfelsorten bekannt. Für industrielle Kreuzungen finden jedoch nur weniger als zehn Verwendung! [2] Die alten und lokalen Sorten sollen durch die EU-Verordnung jedoch nur noch geduldet werden und werden als „Nischenprodukt“ klassifiziert. Die Bürokratie macht selbstverständlich vor den kleinen Züchtern nicht Halt. Sie müssen nämlich nach dem Willen der EU-Kommission genau Buch führen über produzierte und verkaufte Mengen ihres Saatgutes. Es stellt sich also die Frage, ob dieser Verwaltungsaufwand von kleinen Züchtern überhaupt zu leisten ist.

Insgesamt zielt die vorgelegte EU-Verordnung also auf die einseitige Förderung industriell erzeugten Saatgutes ab; Vielfaltssorten, bäuerliches Saatgut und solches mit regionaler Anpassungsfähigkeit wird nur über Ausnahmeregelungen geduldet, nicht jedoch speziell gefördert. [3] Daher lehnen die bayerischen PIRATEN Patente auf Saatgut ab. Zudem stellen sie sich strikt gegen Saatgut, welches nur mit speziellen, patentierten Pflanzenschutzmitteln überlebensfähig ist.

Der Vorstand
Piratenpartei Deutschland
Kreisverband Mühldorf am Inn

Quellennachweise:
[1] http://www.profil.at/articles/1319/560/357911/agrarkonzerne-eu-milliardengeschaeft-saatgutverordnung
[2] http://www.wn.de/Freizeit/Ratgeber/Umwelt/Umwelt-Sonst-schmeckt-alles-gleich-Warum-alte-Obstsorten-wichtig-sind
[3] http://www.saatgutkampagne.org/PDF/PE_Eine_Nische_macht_noch_keinen_Sommer_Saatgutkampagne_2013-05-06.pdf

 


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